Pressemitteilung

Insolvenzverfahren über das Vermögen der E.V.G Erkheim eröffnet


-    Eigenverwaltung wird in reguläres Insolvenzverfahren überführt
-    Einzelne Lösungen für Filialen werden gesucht

Erkheim, 28. Oktober 2016. Mit Beschluss vom heutigen Tag hat das Amtsgericht Memmingen das Insolvenzverfahren über die E.V.G – Ein- und Verkaufsgenossenschaft eG Erkheim als Regelinsolvenzverfahren eröffnet. Zum Insolvenzverwalter hat das Gericht den bisherigen Sachwalter Dr. Thomas Karg aus der Kanzlei Dr. Karg Puhlmann & Kollegen aus Memmingen bestellt.

Das bisher in Eigenverwaltung durchgeführte Vorverfahren wird im Hauptverfahren als Regelinsolvenz eröffnet. Daher ist nunmehr ausschließlich der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter Dr. Karg für die Verfahrensabwicklung zuständig.

Die Finanz- und Strukturprobleme der E.V.G waren so tiefgreifend, dass sie in der Kürze der Zeit nicht in ausreichendem Maß beseitigt werden konnten. Trotz intensiver Bemühungen und einer Vielzahl von Gesprächen war kein Investor bereit, eine Gesamtlösung zu realisieren. 193 Mitarbeitern muss daher gekündigt werden. Die Beschäftigten wurden darüber bereits in einer Betriebsversammlung informiert. Die Maßnahme war unumgänglich, da die Genossenschaft ohne einen Investor nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.

Für eine Vielzahl der 16 Märkte kommen nun Insellösungen in Betracht. Im Rahmen des regulären Insolvenzverfahrens sollen die einzelnen Filialen an Einzelinteressenten veräußert werden. Sanierungsvorstand Dipl.-Kfm. Martina Hengartner, die mit dem heutigen Tag als Sanierungsvorstand aus der Genossenschaft ausscheidet, hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche geführt. Die weiteren Verhandlungen finden nun über den Insolvenzverwalter Dr. Karg statt. Unterschriftsfähige Angebote liegen aber noch nicht vor.

Vorübergehend bleiben die Filialen geschlossen, um die notwendigen Maßnahmen strukturiert vorzubereiten und den möglichen Interessenten ungestörten Zugang zu den einzelnen Geschäftsräumen zu ermöglichen. Sofern ein Abverkauf des aktuellen Warenbestandes in Betracht kommt bzw. Einzellösungen gefunden werden können, wird gesondert berichtet.

„Ich danke allen Beteiligten und vor allem der Belegschaft für ihren unermüdlichen Einsatz in den vergangenen Wochen. Leider ist es uns nicht gelungen, eine Gesamtlösung für die Genossenschaft zu realisieren. Die aufgelaufenen Finanz- und Strukturprobleme waren dafür zu gravierend“, so Martina Hengartner.

Der Insolvenzverwalter Dr. Thomas Karg erklärt: „In den vergangenen Tagen hat sich immer deutlicher herauskristallisiert, dass allenfalls Einzellösungen möglich sind. Mein Ziel ist es nun, möglichst viele Filialen einzeln zu veräußern.“

Der Termin zur ersten Gläubigerversammlung, im Rahmen derer die Gläubiger über den bisherigen Verfahrensverlauf, die Ursachen der Krise und das geplante weitere Vorgehen der Insolvenzverwaltung informiert werden, wurde vom Amtsgericht – Insolvenzgericht - Memmingen auf den 19.01.2017 bestimmt.

Neben den Gläubigern haben auch die Genossen der E.V.G gegen Vorlage eines Personalausweises Zugang zu diesem Termin. Wegen der Vielzahl von möglichen Teilnehmern an dem Berichtstermin hat das Amtsgericht – Insolvenzgericht - Memmingen die Stadthalle Memmingen als Verhandlungsort gewählt. Der Beschluss des Amtsgerichts ist in Kürze unter www.insolvenzbekanntmachungen.de abrufbar.

Die E.V.G. hatte am 24. August 2016 beim Amtsgericht Memmingen einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt. Grund für diesen Schritt waren Liquiditätsengpässe.


Informationen zur Genossenschaft:

Die E.V.G-Erkheim wurde bereits 1963 gegründet. Das Produktangebot hat sich ursprünglich auf die Versorgung der Landwirtschaft mit Betriebsmitteln für Haus und Hof konzentriert. Im Laufe der Jahre wurden das Artikelprogramm und die Betätigungsfelder kontinuierlich erweitert. Die Angebotspalette umfasst derzeit unter anderem: Baustoffhandel, Forsttechnik, Landtechnik mit Service-Werkstätten, Agrarhandel und -produktion, landwirtschaftliche Bedarfsartikel, Haus & Gartenmarkt, Forstschutzkleidung sowie Stall- und Melktechnik. Die Genossenschaft hat derzeit rund 10.400 Genossenschaftsmitglieder und ist an 16 Standorten in Erkheim, Ruderatshofen, Unterweilbach, Babenhausen, Eisenharz, Sulzberg, Altshausen, Altenstadt, Bernbeuren, Scheffau, Lamerdingen, Hurlach, Lechbruck, Igling sowie zweimal in Kimratshofen vertreten. Die Standorte liegen im Allgäu, in Oberschwaben sowie im angrenzenden oberbayerischen Raum.